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Stand der Dinge

Daniel

Vor einer Woche haben 125 Organisationen in ganzseitigen Zeitungsanzeigen die Stadträt*innen der Stadt München aufgefordert, die Forderungen von Fridays for Future München umzusetzen und dies mit persönlichen Schreiben untermauert. Reaktion: Keine!

In den kommenden Tagen wird im Stadtrat verhandelt, wie ein vom Souverän (!) entschiedener Bürgerentscheid des Bündnisses Raus aus der Steinkohle zur Abschaltung des Steinkohlekraftwerks durch die gewählten Vertreter*innen nicht umgesetzt werden soll. Zuvor wurden bereits die Forderungen des Bündnisses Sauba sog I am 25.01.2017 vom Stadtrat übernommen, um einem weiteren Bürgerentscheid zu entgehen, nachdem wir auf dem Tollwood innerhalb kürzester Zeit einen großen Teil der Unterschriften gesammelt hatten.

Dieses Jahr hat man den Souverän dann für einen Radentscheid monatelang herumturnen lassen, weil im Stadtrat nicht der Handlungswille besteht, selbst die notwendigen Maßnahmen umzusetzen. Das Bündnis Artgerechtes München fordert seit langem, dass im Zuständigkeitsbereich der Stadt - auch auf dem Oktoberfest - Fleisch aus artgerechter Tierhaltung angeboten werden soll. Das wurde konterkariert. Regional ist das neue Bio. Kommentar des Oberbürgermeisters dazu: "Die Wiesn ist kein Statement für Ökologie, sondern das weltweit größte Volksfest." (OB Dieter Reiter) Als ob heutzutage nicht alles ein Statement für Ökologie sein müsste! Essen ist politisch!

Essen ist ein Statement für oder gegen Gerechtigkeit, für oder gegen Klimawandel, für oder gegen Artensterben. Und dann ist es das größte Fressen der Welt erst recht. Eine solche Aussage ist spätrömische Dekadenz - so sagt man wohl bei den "Profis". Als der Münchner Ernährungsrat in der CSU-Fraktion seine Ansätze für eine Ernährungswende vorstellten, wurde ihm gesagt, das solle der Markt richten. Ja, klar. Wer denn sonst. Der Markt, der Depp, ist auch immer der erste, der uns dafür einfällt. Wie wäre es mit politischem Gestaltungswillen? Der 2. Vorschlag war, man solle doch auch ein Bürgerbegehren machen im Bereich Ernährung, also einreihen zu den Bürgerbegehren in allen anderen Bereichen, die nicht umgesetzt werden, nachdem die Zivilgesellschaft dafür zigtausende Stunden meist ehrenamtlich investiert hat.

Wir haben vermutlich Kipppunkte bereits überschritten. Die Klimakrise ist mit dem Verlust der Biodiversität die größte Bedrohung für die Menschheit. Wenn Politiker nicht handeln wollen, wie es erforderlich ist, sind sie unwählbar!

Die bereits entschiedenen Dinge müssen entschieden umgesetzt werden. Die sofort umsetzbaren Forderungen von Fridays for Future München müssen sofort umgesetzt werden. Wir haben 2020 Wahlen. Daran werden alle Stadträt*innen und Kandidat*innen gemessen. Nicht an Versprechen.

Wir begrüßen 20 weitere Unterstützer

Daniel

Wir freuen uns sehr, nur zwei Tage nach den Anzeigen in zahlreichen Tageszeitungen, weitere 20 Organisationen / Unternehmen als Unterstützer begrüßen zu dürfen!

Highlights aus dem Netz

Daniel

Das Internet ... unendliche Weiten ...

Auf Twitter meldet sich @cdubrensbach (Selbstbeschreibung: "Nachhaltig. | Besser. | Für alle."), die sich in ihren bisherigen Tweets vornehmlich durch herablassende Kritik auszeichnet, mit einem inhaltlichen Beitrag zu den Forderungen an den Münchner Stadtrat mit dem Versuch die Redlichkeit der @sparda_muenchen zu diskreditieren:

Vielen Dank an die Zukunftswerk eG, die den Tweet in einem Blogbeitrag entsprechend eingeordnet hat.

Auf Facebook gab es an der einen Stelle noch den Einwurf, Naturschutz sei kein Umweltschutz und deshalb solle man sich nicht mit der Klimakrise befassen (auch wenn das Thema wichtig sei) und an der anderen die Meinung, solange (Bio)Linsen aus Kanada im Verkaufsregal stünden, wäre die Unterstützung der FFF-Forderungen unglaubwürdig. 

Offener Brief an den Münchner Stadtrat

Daniel

125 Münchner NGOs, Verbände und Unternehmen unterstützen die Forderungen von Fridays for Future München


MÜNCHEN, 5. Juli 2019 – Breite Unterstützung aus der Zivilgesellschaft. Am 25. Juni 2019 veröffentlichten Fridays for Future München ihren kommunalpolitischen Forderungskatalog an den Stadtrat. Jetzt stellt sich auch die Münchner Zivilgesellschaft, ein breites Bündnis aus 125 Verbänden, NGOs, Stiftungen und Unternehmen, hinter die Schüler*innen. Mit ganzseitigen Anzeigen am 6. und 7. Juli in der Münchner Tagespresse (SZ, AZ, tz, Bild, WamS) in Form eines offenen Briefs an den Münchner Stadtrat fordert das Unterstützerbündnis die Umsetzung des Forderungskatalogs. Die Anzeigenkampagne wird auf den sozialen Netzwerken über #muenchenmusshandeln begleitet.

Generationsübergreifend und quer durch alle gesellschaftlichen Schichten stellen sich Privatpersonen, WissenschaftlerInnen, Unternehmen und Institutionen hinter die Münchner Fridays for Future-SchülerInnen und fordern von den politisch Verantwortlichen umgehende und adäquate Maßnahmen, um die Ziele des Klimaschutzabkommens von Paris einzuhalten.

„Die Politik in Deutschland wurde, mit der EU-Wahl in ihren Grundfesten erschüttert – ein Riss geht quer durch die Gesellschaft und Generationen. Gleichzeitig hat sich mit den Protesten auf der Straße, den Diskursen in diversen (sozialen) Medien und den Verschiebungen der Parteipräferenzen ein Gelegenheitsfenster geöffnet“, so Daniel Überall von anstiftung, Klimaherbst e.V. und Kartoffelkombinat eG.

Jürgen Müller vom Münchner Ernährungsrat e.V.: „Die Jugend hat mit wissenschaftlicher Unterstützung vorgelegt. Die Kommunalwahlen 2020 werden angesichts der gewaltigen Unterstützung aus allen Bereichen der Gesellschaft nicht danach entschieden, welche Wahlversprechen gegeben werden, sondern danach, was vom Forderungskatalog bis dahin umgesetzt wird. Wer wieder in den Stadtrat will, muss JETZT handeln.“

Martin Glöckner von Green City e.V.: „München muss als Weltstadt mit Hirn agieren und die aufgelisteten Punkte von Fridays for Future erfüllen. Es bleibt nur wenig Zeit, um unsere Existenzgrundlagen zu erhalten. Die Zivilgesellschaft fordert von ihren gewählten Vertretern im Münchner Stadtrat mutige und enkeltaugliche Entscheidungen. Als reiche Kommune muss die Landeshauptstadt als Vorbild für andere Städte vorangehen.”

Stephanie Weigel von Tollwood dazu: „Was braucht es denn noch, damit die Münchner Politik endlich und radikal handelt? Die Wissenschaft schlägt Alarm, die Zivilgesellschaft steht generationsübergreifend hinter den Jugendlichen, Zehntausende gehen regelmäßig auf die Straße. Jetzt reicht’s, der Stadtrat muss raus aus der Komfortzone, jetzt muss endlich was passieren.”